Vorrei | Claudia Corrent

17.1. – 13.3.2015


Die Arbeit ist per Definition jene Kraft, verbunden mit dem Bewusstsein für das Selbst, die es erlaubt, die eigene potenzielle Natur zu verwirklichen, indem man ethische Aufgaben erfüllt, die einen spirituellen und moralischen Nutzen hervorbringen können, für die Person selbst und für die soziale und natürliche Umgebung. Obwohl diese ethische Dimension vorherrschend ist im Menschen, übersetzt sich diese Definition in der heutigen Zeit der Strukturkrise manchmal in ein offenes und empörtes Urteil gegen die aktuelle Kristallisierung des Arbeitslosenstatus.

Claudia Corrent lichtet das Leben und die Berufswünsche junger Menschen ab und liefert uns eine Art Meldebuch oder Arbeitsbuch ihrer Ambitionen. Die Diptycha zeigen Schüler der Berufsschule Bozen zwischen 14 und 19 Jahren. Die Fotografien zeigen auf der einen Seite das Portrait des Jungen oder Mädchens und auf der anderen Seite ihre Wünsche: vom einfachen beruflichen Gelingen (“Mein Traum ist es, ein guter Automechaniker zu werden”) bis hin zu normalen Erwartungen zur Selbstständigkeit und Glück (“Ich würde gerne mein eigenes Leben auf die Beine stellen”). Genau wie der alte Brauch, der die Eintragung ins Arbeitsbuch vorsah und zwischen intellektueller und ausführender Tätigkeit unterschied, erfasst “vorrei” eine erste Annäherung an das Arbeitsleben.

Claudia Corrent wurde in Bozen geboren, wo sie lebt und als freischaffende Fotografin arbeitet. 2007 besuchte sie den Kurs “Visual urban photography” mit Francesco Jodice an der Fakultät für Design der Freien Universität Bozen. Im Jahr 2013 besuchte sie zwei Kurse von Parallelo Zero zum Thema Fotojournalismus in Mailand und Rom. 2014 nahm sie an einem Workshop mit Simon Roberts in Venedig teil.
Sie unterrichtete Fotografie und hält didaktische Workshops in verschiedenen Schulen in Südtirol. Mit einem Abschluss in Philosophie an der Universität Trient führt sie diese Disziplin weiter fort. 2013 gewann sie den Preis des “Festival Città Impresa” für die 1000 Talente der Region Venezie in Vicenza. Ihre Arbeiten wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen in Mailand, Rom, Lucca, Bozen und Lecce gezeigt. Ihr Interessengebiet gilt dem Erzählen von Geschichten mit anthropologisch-sozialen Thematiken und der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt.