Reisen im Niemandsland | Kurt Kaindl

21.11.2015 – 22.01.2016

Fotografien entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs

Der Eiserne Vorhang war neben einer geografischen Linie vor allem auch eine ideologische Grenze und ist für die Betroffenen oft bis heute eine Trennlinie geblieben. Er ist vor 25 Jahren gefallen und bereits heute hat die nachfolgende Generation oft kaum mehr eine Vorstellung von der Bedeutung dieser Grenze und vor allem vom großen Einfluss ihres Verschwindens auf die europäische Entwicklung.

Geografisch folgt die Fotoreportage von Kurt Kaindl der innereuropäischen Grenzlinie von Lübeck bis Triest. Er hat dieses Projekt 2008 begonnen und bis in die Gegenwart fortgesetzt. Von „beiden Seiten“ – aus dem Osten und dem Westen – nähert er sich der (ehemaligen) Grenze und versucht die besondere Atmosphäre fotokünstlerisch darzustellen: Die durch das ausgedehnte Niemandsland entstandene Landschaft und vor allem die Menschen, die immer noch oder jetzt erst wieder an dieser Grenze leben.

 Die großformatigen klassischen Schwarzweiß-Fotografien werden durch ausführliche Bildtexte ergänzt, die Hinweise auf die Lebensgeschichten geben und so die Verbindung der Gegenwart mit der Vergangenheit erklären. Es gibt Fotos von verwitterten Holzskulpturen auf dem Weg zur berühmten Brücke von Andau an der ungarischen Grenze, die in ihrem heute fast zerstörten Zustand uns eine Ahnung der dramatischen Ereignisse vor 25 Jahren geben. Mut macht das Bild eines Fährmanns, der eine Radfähre über die Mur steuert, die von den beiden anliegenden Gemeinden in Österreich und Slowenien gemeinsam bezahlt wird. Der 1986 durch seine tollkühne Flucht berühmt gewordene Robert Ospald präsentiert auf einem anderen Bild in einem Wiener Caféhaus die selbst gebaute Seilgondel, mit der er über die Starkstromleitungen aus der ehemaligen CSSR nach Österreich geflohen ist. Beim Schriftsteller Martin Leidenfrost ist aus dem Experiment des „Lebens in einer Plattenbausiedlung“ in der Nähe von Bratislava im Auftrag einer Zeitung ein dauerhafter Aufenthalt geworden. Der Alt-Bauer steht heute vor einem Grenzstein des Eisernen Vorhangs, der seinerzeit mitten durch sein Gehöft verlief.

Die Fotografien von Kurt Kaindl sind Bilder der Gegenwart, die durch Ihre Auswahl und Gestaltung eine Interpretation der Geschichte darstellen und in denen auch immer wieder eine mögliche Zukunft sichtbar wird. Sie verbinden die dokumentarische Kraft der Pressefotografie  mit dem poetischen Zugang des Künstlers.

Biographie

Kurt Kaindl, geb. 1954, Studium der Germanistik und Kommunikationswissenschaft (Dr.Phil.), Mitbegründer der Galerie Fotohof in Salzburg. Herausgeber der “Edition Fotohof im Otto Müller Verlag”. Publikation von Monographien und Kurator monographischer Ausstellungen (Fritz Macho, Harald P. Lechenperg, Inge Morath, Karl-Heinrich Waggerl, Stefan Kruckenhauser, Gerti Deutsch u.a.). Umfangreiche Lehrtätigkeit zur Fotografie und Kommunikationstheorie. Lebt in Salzburg, Österreich.

 Seine fotokünstlerische Arbeit umfasst vor allem die Darstellung historischer Lebensräume und Kulturtechniken (“Aus Rauris”, “Wurzmühle”, “Abfischen”). Seit 1999 in Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Karl-Markus Gauß das Projekt “Die unbekannten Europäer” über Minderheiten in Europa und seit 2008 das Projekt “Reisen im Niemandsland” über den ehemaligen Eisernen Vorhang. Diese Projekte sind in gleichnamigen Büchern und Ausstellungen veröffentlicht.

 Ausstellungen 2014:  Beteiligung an den Ausstellungen “Grenzfälle – Eiserner Vorhang” in der Landesgalerie Linz und “Kunst-Geschichten” im Museum der Moderne Salzburg; Einzelausstellung “Reisen im Niemandsland” in der Atterseehalle in Attersee am Attersee.

Buch zur Ausstellung:  Kurt Kaindl, Reisen im Niemandsland. Von Lübeck bis Triest . Fotografien entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs. Mit Texten von Karl-Markus Gauß und Clemens Berger.

Salzburg 2009 Edition Fotohof im Otto Müller Verlag

 

 

 

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