My still Life Polaroids | Sabine Jelinek

30.01. – 02.03.2010

Sabine Jelineks Blick ist auf die Gegenstände, Dinge und Sachen des alltäglichen Lebens gerichtet. Manches davon mag vielleicht irgendwann absichtlich so hingelegt worden sein, anderes türmt sich nur zufällig. Der Künstlerin fällt ins Auge worüber unsere Wahrnehmung meist nur unbewusst hinweg gleitet. Dinge umgeben uns ständig, wir nützen sie aber brauchen sie nicht immer. Wir sehen sie nicht und nehmen sie doch wahr. Sie geben so vieles von dem preis, was uns im Leben wichtig ist. Nun greift Sabine Jelinek zur Kamera und holt aus diesem Strom der Eindrücke einige präzise Momente heraus. Das stille Leben, das auf ihren Bildern erscheint, bedarf der geschärften Aufmerksamkeit der Künstlerin, um sich gegen die Zeit behaupten zu können. Und doch verewigt Sabine Jelinek nichts. Ganz im Gegenteil, denn was sie festhält ist nicht der Stillstand der Zeit, sondern deren Vergänglichkeit. Dazu passt auch das Medium, für das sie sich entschieden hat.
Die Polaroids sind einmalig und unwiederbringlich, nicht ein Abzug unter vielen und schon gar keine digitale Bildwirklichkeit, die endlos nachbearbeitet und zurechtgerückt werden kann. Polaroids gehen nicht über den Augenblick ihrer Aufnahme hinaus. Auch, dass sich Sabine Jelinek für so aufwendige Rahmen entschieden hat, in denen sie ihre Fotografien präsentiert, geht nicht allein auf eine geschmackliche Entscheidung zurück.
Die gerahmten Polaroids verweisen darauf, welch paradoxes künstlerisches Medium ein Stillleben darstellt. Die gezeigten Gegenstände des Alltags erscheinen uns kostbar und der Realität entrückt. Wir sehen auf den Fotografien, was wir nur zu gut kennen, ob nun Zitronen oder Geschirr. Doch erkennen wir darin nicht allein das Lebensmittel oder nützliche Ding. Die festgehaltene natura morta mag vielleicht noch, wie von fern, an einen banalen Gebrauch erinnern, doch schauen wir längst schon mit dem Blick der Künstlerin.
Die Stillleben von Sabine Jelinek sind Kleinode, die wir so sehr brauchen, um den notwendigen Abstand einzulegen – zwischen uns und der Welt.
Brigitte Felderer

Sabine Jelinek, 1969 geb. in Wien, lebt und arbeitet in Wien und Linz.

Ausbildung und Stipendien:
1993-99 Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien / Bereich Malerei & Graphik und Fotografie, 1997-98 Erasmus-Studienaufenthalt an der Hochschule der Künste in Berlin / Bereich Multimedia, 1999 Diplom mit Auszeichnung an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, seit 2008 Assistenz und Lehrauftrag an der Kunstuniversität Linz / Bereich Bildende Kunst. Seit 2001 Stipendien u.a. in Rom, London, New York und Sydney. 2008 Staatsstipendium für Fotografie.

Ausstellungen (Auswahl):
2009 Der Blinde Fleck, Galerie Österreichisches Kulturforum in Berlin (D), Haydn Explosiv, Schloss Esterházy in Eisenstadt (A), Natura Morte, Schmiede Erschbaum in Außervillgraten (A), SilvrettAtelier 08, Palais Liechtenstein in Feldkirch (A) – 2008 Mira hatte ein Handy und zwei Flügel, Galerie 5020 in Salzburg, Sammeln Sie sich!, Stadtgalerie Villach (A), real lives – real stories, Kunst im öffentlichen Raum, project space, Kunsthalle wien – 2007sexflies – rated r for the uncanny, Galerie IG Bildende Kunst in Wien, The Sneeze, Iziko South African National Gallery, Cape Town (ZA), showroom 6, screening in Riga (LV) – 2006 Heute kein Evidenzproblem, Westlicht/Schauplatz für Fotografie in Wien, Blick A, Blick B, Jahresausstellung, Salzburger Kunstverein in Salzburg – 2005 The Unseen World, screening im Echo Park Film Center, L.A. (USA), Realitäten II – Gesellschaftswerte, Fotogalerie Wien, Without Boundaries, WAM Turku City Art Museum in Turku (FIN) – 2004 Wiener Linien-Kunst und Stadtbeobachtung seit 1960, Wien Museum, Handlungsanweisungen, Kunst im öffentlichen Raum, Kunsthalle wien, Open Screening, Free filmmaker forum, Whitechapel Gallery, London – 2003 Dokumentation lll – Gesellschaft, Fotogalerie Wien – 2002 Photo Wall, Kunsthalle wien, „…Privat!“, Charim Galerie, Wien

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