Lesung und Gespräch mit dem Autor Siegfried Nitz zu seinem Buch „Fieber68“

Dienstag 18.November 2014 20:00 Uhr

 

Siegfried Nitz,

geboren 1949 in Brixen, Lehrer für Sprache, Literaturgeschichte und -didaktik an Mittel-, Oberschule und Universität, Bildungsplaner am Pädagogischen Institut und an der Landesabteilung für Berufsbildung, Supervisor und Organisationsentwickler.

Veröffentlichungen:

Gedichte in „neue literatur aus südtirol“,

Hrsg. Südtiroler Hochschülerschaft (1970)

sowie „Dazwischen“, edition sturzflüge (2004).

 

Zum Buch:

Der Autor stellt dar, wie an ganz verschiedenen und voneinander weit entfernten Orten – wie zwischen Berkeley, Paris, Berlin, Rom, Mailand und Bozen, oder Meran und Bruneck – ab der Mitte der 1960er- Jahre ein Lebensgefühl eine ganze Generation erfasst und zu einem Schwungrad dafür wird, auch in der Provinz für mehr individuelle Freiheit und gesellschaftliche Gerechtigkeit einzutreten. Und er berichtet, wie einige daran irre werden, als Personen daran zerbrechen oder in terroristische Gewalt abgleiten. Im wiederkehrenden Wechsel zwischen einem als klein empfundenen Hier und einem groß und allgemein sich gebenden Dort, zwischen Weltbühne und Kleinstadt-Hinterhof, zwischen subjektivem Erzählen, Tatsachenbericht und Dokumentation erzählt das Buch vom Aufschäumen und Zusammenbrechen des 68er-Zeitgeistes. Dabei nimmt sich der Autor die Freiheit, diesen Zeitgeist, nicht aber die chronologische Abfolge geschichtlicher Ereignisse zum Schrittmacher seines Erzählens zu machen.

 

Pressestimmen zum Buch:

Neue Zürcher Zeitung vom 21.08.2014: Wilde Ausschläge verzeichnete damals die Fieberskala der „kleinen Welt in den Bergen“. Diese Collage verschiedener Textgattungen lockt mit dem Reiz der mehrfachen Perspektive. Lesend kann man nur staunen, wie sehr dieser Zeitraum in Südtirol von Erschütterungen geprägt worden ist. Eindrücklich zeigt Nitz die Verhärtung der Fronten angesichts der „Südtirolfrage“ auf, ebenso das Leiden an der gebrochenen Identität. Aufschlussreich sind die Textteile, in denen Nitz die autoritären Strukturen von Kirche und Presse wie der deutschsprachigen Tageszeitung „Dolomiten“ aufzeigt. Hier entzündet sich die Kritik der rebellischen Jugend. In der Rückschau, die Nitz unbeschönigt vornimmt, säumen auch verlorene Illusionen den Weg.
Margit Oberhammer, Dolomiten: Fieber68 teilt mit anderen Erinnerungsbüchern der Achtundsechziger die Melancholie des Scheiterns. Literarisch funkeln jene Passagen, in denen die Objektivität nicht das wichtigste Anliegen ist.

Erika Wimmer: Das „Fieber“ von damals hat nicht nur nachgelassen, es existiert so gut wie gar nicht mehr; in Nitz’ Buch aber wird es noch einmal beschworen – fast so, als könne solches Erbe im Jahr 2014 doch noch angetreten werden.

Fieber68 | Siegfried Nitz