Gehen – Andare via | Flavio Faganello und Florian Kronbichler

21.01. – 26.03.2012

Was man noch gesagt haben wollte, bevor man geht.

Flavio Faganello wünschte sich zum Abschied dieses Buch,

und Florian Kronbichler hat ihm den Wunsch

auf die liebenswürdigste Art erfüllt. Der Trentiner hätte

dem Südtiroler zugezwinkert: „Sei un ostia!

 

Gehen – Andare via

Ein letzter Faganello. Von Florian Kronbichler

 

Das fotografische Werk von Flavio Faganello erweist sich als unerschöpflich. Seine Fotobände sind Klassiker nicht nur der regionalen Fotografiekunst. Unter immer neuen Gesichtspunkten, in immer neuem Zusammenhang veröffentlicht, eröffnen sie jeweils neue Zugänge zu der Kunst dieses großen Meisters und zu den Menschen, die er darstellt.

Ein solcher neuer Zugang blieb allerdings noch zu eröffnen: Flavio Faganello selbst hat ihn kurz vor seinem Tod im Herbst 2005 seinem Südtiroler Freund und Journalistenkollegen Florian Kronbichler anvertraut. Vom nahen Tod schon gezeichnet, bat Faganello den Freund, mitsammen noch „ein letztes Buch zu machen“. Und er gab ihm den Titel dafür: „Andare via“. Auf Deutsch hat Kronbichler den Titel mit dem mehrsinnigen Begriff „Gehen“ übersetzt.

Faganello hat fotografisch Geschichten erzählt. Der Autor Kronbichler begleitet diese schreiberisch mit Geschichten. Keine Bildbeschreibungen, sondern eigenständige Geschichten aus dem Leben, Variationen übers „Gehen“ in all seinen Formen: abgehen, aufgeben, ausziehen, umziehen, abwandern, wallfahren, trauern, sterben … Einem Anliegen des überzeugten Alttirolers entsprechend, ist dieser letzte Faganello zweisprachig erschienen.

Es ist ein poetisches, melancholisches Thema, und sein Rahmen ist die Region Trentino-Südtirol. Flavio Faganello ist vielleicht der regionalste aller zeitgenössischen Künstler unserer Region. Dem Künstler des Lichtbilds stellte sich keine Sprachbarriere in den Weg. Immer hat der Trentiner auch Südtirol im Auge gehabt, und sein fotografisches Werk ist beeindruckender Beleg für die Gemeinsamkeiten der Menschen und der Kulturlandschaft zwischen Brenner und Borghetto.

 

 

Flavio Faganello, geboren 1933 in Malè, Val di Sole, und 2005 in Trient gestorben, gilt als der bedeutendste Foto-Reporter der Region Trentino-Südtirol in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dem fotografischen Neorealismus zugerechnet, erzählt Faganello mit der Kamera Geschichten. Seine besondere Aufmerksamkeit gilt dem Leben der Menschen in dem intimen, meist bäuerlichen Umfeld ihrer Heimat. Wie kaum jemand sonst gelingt es Faganello, über die sprachliche und politische Trennung hinweg das zu zeigen, was Südtirol und das Trentino gemeinsam haben: die bäuerliche Kulturlandschaft und die Verwurzelung ihrer Menschen darin. Sein Werk fand Niederschlag in zahlreichen Fotobänden und Ausstellungen.

 

Florian Kronbichler, geboren 1951 in Reischach (Bruneck), lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Bozen. Nach Studium und Engagement in der Studentenbewegung, zunächst Landesbeamter; ab 1980 hauptberuflich Journalist, eine Zeitlang Chefredakteur des Wochenmagazins FF; seit 2000 freier Journalist; arbeitet hauptsächlich als Kolumnist und Leitartikler für deutsche und italienische Zeitungen; Autor einer Alexander-Langer-Biografie und von Buchbeiträgen zur Landeskunde; Seine Spezialität sind Porträts und Glossen.

 

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